Was, wenn wir alle Führende wären?

„Was wäre, wenn wir alle Führende (Leader) wären?“ Das ist eine tiefe Frage.
Sie enthält die Annahme, dass wir alle Führungspersönlichkeiten sind oder sein könnten.

There is a Leader in every Chair!

Und tatsächlich sehen wir als Facilitator jeden Menschen als Leader: „There is a Leader in every Chair!“ Warum? Weil wir davon ausgehen, dass wir – quasi als Mitgift von Geburt an – alle die gleiche Verantwortung für die Welt haben, in der wir leben. Wir können und sollten diese Verantwortung nicht abgeben oder einigen wenigen überlassen. Angesichts der Fernsehbilder dieser Tage möchten wir hinzufügen:
Verantwortungsvoll handeln heißt auch, ego-zentriertes Denken überwinden, eigene Annahmen zur Disposition stellen und gemeinsam erkunden.

Handeln erst dann, wenn eine informierte Entscheidung (1) getroffen werden kann. Solange das eigene Leben, die Familie oder das eigene Gut nicht bedroht werden, ist Teil dieser (Selbst-)Führung, Ruhe zu bewahren, freundlich und respektvoll zu sein. Auf diese Weise gelingt es, die persönliche Autonomie und Freiheit verantwortungsvoll zu leben und uns zugleich alle miteinander zu führen.

Führung gelingt bereits auf der individuellen Ebene

Individuell leben wir diese Form der (Selbst-)Führung. Viele von uns nutzen diese Zeit für persönliche Entwicklung, Bildung und Fürsorge:

  • Wir achten darauf, welches innere Gespräch wir führen. Den Stimmen im Kopf versuchen wir nicht das Ruder zu überlassen. Erlesene Gespräche im Innen wie im Außen: das macht einen großen Unterschied.
  • Wir lernen die Auswirkungen kennen, je nachdem mit was wir uns beschäftigen. Oder auch, welche Sprache und Worte wir verwenden. Es ist uns nicht gleichgültig, wir gehen dem nach.
  • Wir gestalten unser Umfeld mit der Idee der Liebe, der Schönheit und des Ästhetischen. Gerade in Zeiten, in denen die Seele Nahrung braucht und wir mehr denn je auf uns selbst zurückgeworfen werden.
  • Wir bemerken, dass es nicht so sehr darum geht, wieviel wir wissen oder wollen, sondern darum, wie sehr wir uns kümmern. Um uns, um andere und um Größeres.
  • Wir spüren, wie sehr uns Zugewandtheit, Achtsamkeit, ja sogar Stille guttun. Persönliche Praktiken sind uns wichtig: ob wir endlich wieder mehr lesen, meditieren oder Tagebuch schreiben. Wir möchten uns entwickeln und wissen, dass unser Geist, unsere innere Verfasstheit Fürsorge braucht.
  • Wir tun mehr für unseren Körper, unsere Kondition, unseren Organismus.

Das sind genau die Aspekte, Werte und Praktiken, die wir auch im Sozialen brauchen – also in unseren Organisationen, Unternehmen, Institutionen, in unserer Gesellschaft. Denn durch sie öffnen wir uns, werden weicher, rezeptiver und – ja, das soll gesagt sein – auch in gewisser Weise weiblicher. Das ist gut und wichtig für die Zukunft. Die Zukunft unserer Gemeinschaften. Die Zukunft unserer nationalen und internationalen Beziehungen. Die Zukunft unserer Zivilisation. Auch die Zukunft unseres gesamten, globalen Ökosystems, Mutter Erde.

Wie kann das auf der sozialen Ebene gelingen?

Zuallererst sollten wir nicht aufhören, mutig zu sein.

„Es kommt einzig auf den Mut an. Er geht auch dem Tapfersten oft verloren, dann neigen wir zum Suchen nach Programmen, nach Sicherheiten und Garantien. Der Mut bedarf der Vernunft, aber er ist nicht ihr Kind, er kommt aus tieferen Schichten.“
Hermann Hesse

Mutig sein, auch wenn es noch keine Programme und Sicherheiten gibt, an die wir uns einfach anhängen können. Führung bedeutet: Im Wald der Dunkelheit, Unsicherheit und der Angst eine Lichtung zu sein für das Neue, für das Leben, für das Miteinander. Da kann ein wenig Mut nicht schaden. 😉

Besonders in Umfeldern, die pyramidal verknöchert scheinen

Konkret heißt das, dass wir – besonders in Umfeldern, die pyramidal verknöchert oder die anderen Schatten ausgeliefert scheinen – den Mut aufbringen sollten, mit der Liebe und dem Licht zu antworten. Alles, was die Menschen in ihrem So-sein achtet, was das Leben liebt, was Raum schafft, was gute Absichten unterstellt und Gleichwürdigkeit kultiviert, wird für die Zukunft einen positiven Unterschied machen.

Hier einige Ansätze, wie das ganz praktisch in Organisationen erlebbar gemacht werden kann (Übersicht):

  1. Circle als Meetingformat kultivieren: There is a leader in every chair! (2)
  2. Potential- und Stärkenorientierung: Worauf wir unsere Aufmerksamkeit legen, wird mehr! (3)
  3. In Bewusstseinsentwicklung investieren: New Work needs Inner Work! (4)
  4. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse nutzen: Die Welt braucht lebendige Menschen! (5)
  5. Führung aus der Tiefe heraus erneuern: Leading as Sacred Practice (6)

Eine neue Geschichte

Jede tiefere Erkundung und Auseinandersetzungen mit diesen und verwandten Ansätzen hinterlässt unserer Erfahrung nach eine neue Geschichte und ein neues Verständnis davon, wer wir sein können. Als Menschen in Organisationen. Auch als Menschheit angesichts der vielen drängenden Herausforderungen, für die wir Aufmerksamkeit weit über organisationale Fragestelllungen hinaus aufbringen müssen. Offen gesagt, sind wir ziemlich begeistert davon, was – neben dem Leid und den vielen Fragen – gerade jetzt möglich ist, weil diese Zeit viel Kreativität hervorbringt. Individuell schon jetzt, aber auch immer wieder im Sozialen. Und im kleinen Kreis sowieso.

Wir Lotsen setzen uns dafür ein, dass die tiefe Frage „Was, wenn wir alle Führende wären?“ keine Frage mehr bleibt, sondern eine tägliche Erfahrung wird.

Was wir tun und worum wir uns derzeit kümmern: hier